Newsletter aus dem Jahr 2016

Neues aus der HiKo (029): Einladung zur Buchvorstellung am 26. November 2016 in Dortmund

15.11.2016

Nach einer Bearbeitungszeit von mehr als 15 Jahren schließt die Historische Kommission für Westfalen eines ihrer größten Projekte ab: Der vierte und letzte Band des „Historischen Handbuchs der jüdischen Gemeinschaften in Westfalen und Lippe“ ist vollendet. Nach einem Grundlagenband und zwei Regionalbänden (2008 und 2012) erschien jetzt der abschließende Band über die Gemeinden im heutigen Regierungsbezirk Arnsberg. Mit 860 Seiten und 101 Ortsartikeln handelt es sich zugleich um den umfangreichsten Band des Gesamtwerks. Behandelt werden alle Orte, in denen sich im Laufe der Jahrhunderte entweder eine Synagoge oder ein jüdischer Friedhof nachweisen lassen.

Aufgabe des Werkes ist es, die lange Geschichte jüdischen Lebens in Westfalen und Lippe in seiner ganzen Vielfalt zu beschreiben. Zusammengetragen werden die wenigen Erwähnungen von Juden im Hochmittelalter, dann vor allem Nachrichten über die seit dem 16. Jahrhundert in vielen Orten entstandenen Gemeinden. Juden siedelten überall dort, wo sie von den Landesherren geduldet wurden und wo sie Erwerbsgrundlagen fanden. Deutlich werden die unterschiedlichen Lebensbedingungen in der Stadt und auf dem Land, ebenso die Gegensätze zwischen liberalen und orthodoxen Gemeinden. Breiten Raum nimmt die Beschreibung des 19. Jahrhunderts ein, in dem Juden und Christen in Westfalen zu einem alles in allem friedlichen Miteinander fanden. Viele Juden hatten sich in dieser Zeit vollständig integriert, sogar weitgehend assimiliert. Vor diesem Hintergrund erscheint der nach 1933 folgende Absturz umso erschreckender. Dabei kann und will das „Handbuch der jüdischen Gemeinschaften“ kein Gedenkbuch für die Opfer der nationalsozialistischen Judenverfolgung sein. Zwar wird für jeden Ort die Zeit der Verfolgung eingehend beschrieben, ein Verzeichnis aller Opfer hätte aber – gerade bei den großen Gemeinden im Ruhrgebiet – den Rahmen gesprengt. Knapp behandelt werden auch die Neuanfänge nach 1945.

Am Samstag, dem 26. November 2016 wird der abschließende Band des Werkes in Dortmund der Öffentlichkeit präsentiert. Dazu laden die Historische Kommission für Westfalen und die Stadt Dortmund ins Stadtarchiv Dortmund ein. Begrüßt werden die Gäste vom Dortmunder Oberbürgermeister Ullrich Sierau. Eine Einführung in das Werk, seine Erkenntnisse und seine aktuelle Bedeutung geben anschließend Matthias Löb (Direktor des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe), Prof. Dr. Wilfried Reininghaus (Erster Vorsitzender der Historischen Kommission für Westfalen), Prof. Dr. Frank Göttmann (Universität Paderborn, Herausgeber) und Prof. Dr. Werner Freitag (Institut für vergleichende Städtegeschichte).

Die Veranstaltung beginnt um 11 Uhr im Stadtarchiv Dortmund (Märkische Str. 14, 44122 Dortmund). Das Stadtarchiv befindet sich wenige Meter nördlich der S-Bahn- und U-Bahn-Haltestelle „Dortmund Stadthaus“. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Bibliographische Daten

Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinschaften in Westfalen und Lippe. Die Ortschaften und Territorien im heutigen Regierungsbezirk Arnsberg. Hg. von Frank Göttmann, Redaktion Wilfried Reininghaus, Burkhard Beyer und Rita Schlautmann-Overmeyer. Münster 2016, 860 Seiten, Festeinband (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Westfalen, Neue Folge 12). Ardey-Verlag, ISBN 978-3-87023-284-9, Preis: 79,00 Euro. Bestellungen richten Sie bitte an: Ardey Verlag GmbH, An den Speichern 6, 48157 Münster, Tel. 0251 / 4132-0, info@ardey-verlag.de, www.ardey-verlag.de. (Das vierbändige Gesamtwerk mit Schuber kann beim Verlag zu einem günstigeren Preis bezogen werden.)