Franz von Waldeck, Bischof von Münster und Osnabrück

Behr, Hans-Joachim: Franz von Waldeck. Fürstbischof zu Münster und Osnabrück, Administrator zu Minden (1491-1553). Sein Leben in seiner Zeit.
Münster: Aschendorff 1998. (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Westfalen XVIII: Westfälische Biographien, Band 9)
T. 1. Darstellung. 1996. 526 S., 11 Abb., 1 Karte.
ISBN: 978-3-402-06764-2; Preis: 45,50 Euro
T. 2. Urkunden und Akten. 1998. 592 S.
ISBN: 978-3-402-06765-9; Preis: 50,20 Euro

 

Unter Franz von Waldeck waren die Fürstbistümer Münster, Osnabrück und Minden von 1532 bis zu seinem Tod 1553 in Personalunion verbunden. Zeitweilig war er einer der mächtigsten Fürsten Nordwestdeutschlands. Als nachgeborener, für den geistlichen Stand vorgesehener Grafensohn war er geprägt durch die spätmittelalterliche Pfründen- und Adelskirche, sah sich aber wie alle Vertreter seiner Generation nicht nur den Forderungen nach Kirchenreformen ausgesetzt, sondern wurde mit der Spaltung der christlichen Glaubensgemeinschaft konfrontiert. Die ersten Jahre seiner Herrschaft waren von der Niederschlagung und deren finanziellen Folgen der Täuferherrschaft gekennzeichnet. Es folgten bis zu seinem Tod Auseinandersetzungen mit inneren und äußeren Kräften, denen er nicht gewachsen war. Dieser schon bei den Zeitgenossen umstrittene Kirchenfürst wurde auch von späteren Generationen zumeist unter politischen, meist konfessionellen Gesichtspunkten beurteilt.

Der erste Teil des zweibändigen Werkes bietet eine in die politische Geschichte und die Kirchengeschichte Nordwestdeutschlands eingebettete Biographie Franz von Waldecks, die seine politischen Möglichkeiten und Grenzen sowie seine menschlichen - jedoch teilweise durchaus zeittypischen - Schwächen aufzeigen, ohne eine psychologisierende Betrachtung anzustreben. Die komplizierten politischen Verhältnisse der nordwestdeutschen Territorien sowohl untereinander als auch gegenüber dem Reich und dem Kaiser werden ebenso analysiert wie die Landesverwaltung und die Politik der Domkapitel und Landstände der drei von ihm regierten Bistümer. Schwankend zwischen Reform und Reformation betrieb er in Münster - auch getrieben vom Domkapitel - die Rekatholisierung, ließ in Osnabrück der Reformation weitgehend freie Hand und änderte an den evangelischen Zuständen in Minden nichts.

Die Biographie beruht in erster Linie auf Quellen, von denen die meisten erstmals im zweiten Teil ediert werden. Auch dieser Teilband ist chronologisch aufgebaut. Franz von Waldecks Niederschlagung der Täuferherrschaft in Münster hat von jeher in der Forschung vielfältige Beachtung erfahren. So nimmt dieser Aspekt seiner Herrschaft auch in der Quellenpublikation einen größeren Raum ein. Neben bereits bekannten Dokumenten sind auch hier zahlreiche, bisher nicht edierte Stücke abgedruckt, so dass diesem Forschungsbereich neue Materialien an die Hand gegeben werden. Ein über 50 Seiten umfassender Namenindex erschließt beide Teilbände.

Rezensionen:
— Archiv für Reformationsgeschichte, Beiheft Literaturbericht 27 (1998), S. 75-76, 28 (1999), S. 242-243 (Christian Peters).

— Der Archivar 50,4 (1997), S. 845-847, 52,2 (1999), S. 154 (Bernd Hey).

— Blätter für pfälzische Kirchengeschichte und religiöse Volkskunde 64 (1997), S. 460-462, 65 (1999), S. 346-347 (O. Böcher).

— Heimatpflege in Westfalen 12, Heft 2 (1999), S. 54-55 (Harm Klueting).

— Das Historisch-politische Buch 45 (1997), S. 283-284, 46 (1998), S. 474-475 (Karl-Heinz Kirchhoff).

— Jahrbuch für westfälische Kirchengeschichte 91 (1997), S. 280-282, 93 (1999), S. 267-268 (Martin Brecht).

— Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte 71 (1999), S. 463-465 (Albrecht Eckhardt).

— Osnabrücker Mitteilungen 102 (1997), S. 297-299, 104 (1999),S. 347-348 (Christian Hoffmann).

— Rottenburger Jahrbuch für Kirchengeschichte 19 (2000), S. 307-309, 20 (2001), S. 340 (Norbert Haag).

— Westfälische Forschungen 48 (1998), S. 857-859 (Ronald G. Asch), 49 (1999), S. 711-714 (Jürgen Lotterer).

 

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