Nordsiek, Hans (Bearb.): Die Kirchenvisitationsprotokolle des Fürstentums Minden von 1650. Mit einer Untersuchung zur Entstehung der mittelalterlichen Pfarrkirchen und zur Entwicklung der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Minden, Münster: Aschendorff 2013, 598 Seiten, Festeinband, 3 Karten in Einbandtasche (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Westfalen, Neue Folge 7). ISBN 978-3-402-15113-6, Preis: 49,00 Euro.

Minden war das einzige Fürstbistum in Westfalen, in dem sich in der Mitte des 16. Jahrhunderts die Reformation und das evangelische Bekenntnis vollständig und endgültig durchgesetzt hatten. Daher wurde es durch die Bestimmungen des Westfälischen Friedens 1648 säkularisiert und als weltliches Fürstentum dem Kurfürsten von Brandenburg zugesprochen, der es 1649/50 in Besitz nahm. Unmittelbar darauf erfolgte 1650 die erste landesweite Visitation aller Kirchspiele, soweit sie dem Landeskonsistorium und dem Superintendenten unterstanden.

Es sollte die einzige Gesamtvisitation bis 1806 bleiben. Schon deshalb sind die hier publizierten Visitationsprotokolle von 1650 eine wichtige Quelle zur Landes- und Kirchengeschichte. Sie beschreiben konkret und detailliert die Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges in jedem einzelnen Kirchspiel. Sie benennen die Anzahl der Gemeindemitglieder, die Patronatsherren der Kirchen und Pfarrstellen, die Altarmänner und Küster, berichten über Gottesdienst und Lebenswandel der Gemeindemitglieder, die Herkunft und Ausbildung der Pfarrer und Lehrer, das örtliche Schulwesen und die Armenfürsorge. Zum besseren Verständnis ist der Edition eine ausführliche Einführung vorangestellt. Darin werden Grenzen, Struktur und Binnengliederung des Territoriums, seine Verfassung, Verwaltung und Konfessionsverhältnisse vorgestellt. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei der Entstehung der Pfarreien. Schließlich werden die Eigenheiten der „Territorialkirche“ Minden nachgewiesen und dargestellt.

Als die Kirchspiele 1650 visitiert wurden, begann auch im Fürstentum Minden das Zeitalter des fürstlichen Absolutismus. Die Visitationsprotokolle lassen erkennen, was die Kurfürsten in Berlin unter Recht, Ordnung und Gehorsam verstanden – und was ihre Untertanen unter einem christlichen Lebenswandel zu verstehen hatten.

Rezensionen:
– Beiträge zur westfälischen Familienforschung 74 (2016), S. 523f. (Jörg Wunschhofer).
– Heimatpflege in Westfalen 28, Heft 3 (2015), S. 32–33 (Reimund Haas).
– Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte 87 (2015), S. 391–394 (Bernd-Wilhelm Linnemeier).
– Osnabrücker Mitteilungen 119 (2014), S. 192f. (Hagen Christian Jach).
– sehepunkte 14 (2014), Nr. 10 [15.10.2014],
URL: http://www.sehepunkte.de/2014/10/24812.html (Donatus Düsterhaus).
– Rheinische Vierteljahrsblätter 78 (2014), S. 346f. (Johannes Burkardt).
– Jahrbuch für Westfälische Kirchengeschichte 110 (2014), S. 315f. (Johannes Burkardt).
– Mitteilungen des Mindener Geschichtsvereins 86 (2014), S. 183–185 Wolfgang Günther).

Begleitende Publikation:

–Hans Nordsiek, Die Kirchenvisitation von 1650 im brandenburgsichen Fürstentum Minden und die Bedeutung der Visitationsprotokolle als historische Quelle, in: Jahrbuch für Westfälische Kirchengeschichte Bd. 111 (2015), S. 283–293.

Das mittlerweile vergriffene Werk steht jetzt online unter diesem Link zur Verfügung

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