6. Werkstattgespräch „Bergbau im Sauerland“ am 3. Oktober 2009, Tagungsbericht von Wilfried Reininghaus

Am Tag der Deutschen Einheit trafen sich in der Dorfhalle von Winterberg-Silbach 120 Teilnehmer zum 6. Werkstattgespräch über „Bergbau im Sauerland“. Bürgermeister Werner Eickler zeigte sich bei seiner Begrüßung hoch erfreut über die große Resonanz der Veranstaltung. Er würdigte Silbach als einen Ortsteil, an dem die Bergbau-Tradition ein besonderes Gemeinschaftsgefühl gestiftet hat. 2009 stand ganz im Zeichen der Feiern zum Jubiläum der Bergfreiheit. Prof. Dr. Wilfried Reininghaus (Senden) ging in seiner Einführung für den Arbeitskreis „Bergbau im Sauerland“, der gemeinsam von der Historischen Kommission für Westfalen und vom Westfälischen Heimatbund getragen wird, auf das Netzwerk der Montanregionen in Deutschland ein. Da es ein Grafensohn aus Mansfeld, heute Sachsen-Anhalt, auf dem Kölner Bischofsstuhl war, der 1559 Silbach zur Bergfreiheit machte, sei der Zusammenhang zwischen den großen Bergrevieren in Deutschland besonders sinnfällig. Nach dem Fall der Mauer können sich Arbeitsbeziehungen zwischen den Bergbauforschern in allen deutschen Revieren entfalten. Große Anerkennung fand die perfekte Organisation durch den Förderverein Bergfreiheit Silbach und seinem Vorstandsmitglied Ortsheimatpfleger Jochen Zimmermann.

Prof. Dr. Ekkehard Westermann (Rantrum), der wie kaum ein anderer die Forschungen zum vorindustriellen Bergbau in Mitteleuropa gefördert hat, stellte in seinem Vortrag den Zusammenhang zwischen den Montankonjunkturen und der Verleihung der Bergfreiheit an Silbach her. In Silbach investierten Kaufleute aus Köln, Aachen, Antwerpen und Hamburg in den Bleibergbau. Sie waren Teil eines Netzwerks, das sich über die großen Messen in Frankfurt, Leipzig und Naumburg erstreckte. Die Grafschaft Mansfeld am Ostrand des Harz kam wegen der dortigen Kupferschieferflöze und des Saigerhandels ins Spiel. Preisschwankungen für Silber und Kupfer und ein Anstieg des Preises für Blei zu Beginn der 1550er Jahre wegen rückläufiger Zufuhr aus England ließen die Grafen von Mansfeld selbst die Beschaffung von Blei für den Saigerprozess, d.h. für die Silbergewinnung, die Beschaffung in die Hand nehmen. Damit kamen die Eifel und das Sauerland in den Blick. Die Wahl von Johann Gebhard von Mansfeld zum Kölner Erzbischof führte zu einem direkten Eingriff in die kurkölnische Bergverwaltung – und zur Verleihung der Bergfreiheit in Silbach, einem der Standorte der Bleibergwerke im kölnischen Westfalen.

Jan Ludwig (Deutsches Bergbaubaumuseum Bochum), der soeben eine Dissertation über das benachbarte Ramsbeck abschloss, zeigte den territorialpolitischen Hintergrund des Jahres 1559 auf. Lange stritten sich der Kölner Erzbischof als Landesherr des Herzogtums Westfalen und die Grafen von Waldeck um die Herrschaft im Assinghauser Grund. Die Verleihung der Bergfreiheit und die Bergordnung im Jahr 1559 stabilisierten die kölnische Herrschaft im Hochsauerland. Ludwig erläuterte die Rechte der Silbacher: die Zufuhr von Holz, die Möglichkeit, Hütten anzulegen, die Zehntfreiheit und die Selbstverwaltung. Freilich war der Boom in Silbach nicht von langer Dauer. Bereits um 1600 war nur noch die Grube „Zwölf Apostel“ in Betrieb. Zwar wurden noch mehrere Anläufe zur Förderung von Blei und Eisenerz unternommen, doch sicherte vor allem der Schieferbergbau bis 1940 die Kontinuität bergmännischer Arbeit in Silbach. 1923 setzte der Abbau von Grünstein (Diabas) ein, der seit 1941 bis heute von der Basalt-AG fortgesetzt wird.

Die intensive Diskussion kreiste vor allem um die Verhüttung des Blei, die vor Ort in Silbach stattfand und dann als Barren zu den Saigerhütten transportiert wurde. Betont wurde, dass für den Saigerhandel nur ganz bestimmte Bleiarten in Frage kamen, u.a. die westfälischen aus Bönkhausen (Sundern), Silbach und Bleiwäsche (Wünnenberg). Selbst in Tirol sei 1545 schon westfälisches Blei verwendet worden, wie Prof. Westermann feststellte.

Zum Werkstattgespräch war in der Dorfhalle eine umfangreiche Dokumentation zum Bergbau in und bei Silbach zu sehen. Der Förderverein Bergfreiheit Silbach bot abschließend gut besuchte Exkursionen in die Schiefergrube sowie auf den Silberberg zur Grube „Zwölf Apostel“ an.