7. Werkstattgespräch „Bergbau im Sauerland“ am 20. Oktober 2012

Tagungsbericht von Sebastian Watermeier

Rund 90 Teilnehmer füllten an einem sonnigen Oktobersamstag den Saal des Kurhauses in Schmallenberg-Bad Fredeburg, wo die Veranstaltungsreihe „Bergbau im Sauerland“ der Historischen Kommission für Westfalen und des Westfälischen Heimatbundes ihren siebten thematischen Schwerpunkt mit dem Schieferbergbau im Sauerland setzte. Bürgermeister Bernhard Halbe begrüßte die Gäste des Werkstattgesprächs, die sowohl aus der nahen Umgebung als auch von außerhalb des Sauerlands angereist waren, und zeigte sich erfreut darüber, dass die erste Veranstaltung der Historischen Kommission in Schmallenberg sich nun eben jenem Schieferbergbau annehmen sollte, dessen Abbauprodukt als Dachschiefer auch ein optisches Markenzeichen und Identifikationsobjekt der Region darstellt.

Prof. Dr. Wilfried Reininghaus dankte stellvertretend für den „Arbeitskreis Bergbau“ der Stadt Schmallenberg für ihre großartige Gastfreundschaft und die angenehmen Tagungsbedingungen im Kurhaus. Ebenfalls dankte er dem Löschzug Bad Fredeburg der Freiwilligen Feuerwehr für die Bewirtung der Tagungsgäste. In seiner Einführung erläuterte er, warum der wohl schon ab dem 9. Jahrhundert betriebene, spätestens seit dem 14. Jahrhundert nachweisbare Schieferbergbau bisher noch nicht im Rahmen der Werkstattgespräche behandelt wurde, sei die rechtliche Einordnung dieses wichtigen Wirtschaftszweigs doch bereits unter den Zeitgenossen des 17. und 18. Jahrhunderts strittig gewesen. Dennoch führe angesichts der wirtschaftlichen Bedeutung des Schieferbergbaus für die Region an seiner Behandlung letztlich kein Weg vorbei. Mit Schmallenberg, das mit der Grube Magog in Bad Fredeburg und dem Westfälischen Schieferbergbau- und Heimatmuseum in Holthausen gleich zwei wichtige Erinnerungsorte zum Schieferbergbau zu bieten habe, sei damit gleichsam ein idealer Tagungsort gefunden worden.

Im ersten Vortrag stellte Dr. Volker Wrede vom Geologischen Dienst NRW unter dem Titel „Geologie und Vorkommen von Schiefergesteinen im Rheinischen Schiefergebirge“ die geologischen Eigenschaften des Schiefers heraus. Neben der Entstehung des Schiefergesteins erläuterte er auch die vielfältige Beschaffenheit der Gesteinsschichten und ihre unterschiedliche Zusammensetzung, die jeweils sehr unterschiedliche Nutzungsmöglichkeiten des Schiefers ermöglichen. Der im Sauerland vorzufindende Dachschiefer habe dabei trotz des zahlreichen Vorhandenseins geschieferter Gesteine aufgrund seiner aus der speziellen Zusammensetzung entspringenden Qualität Seltenheitswert.

Reinhard Köhne, Realschuldirektor i. R. und Mitvorsitzender des „Arbeitskreises Bergbau“, vertiefte in seinem Beitrag „Schiefer – ein vielfältiger Werkstein“ die zahlreichen historischen Nutzungsformen des Schiefers und schlug einen inhaltlichen Bogen von der Verwendung als leicht zu bearbeitendes Material für Werkzeuge in der Steinzeit über den Baustoff Schiefer in Mittelalter und Neuzeit bis hin zur Entdeckung von Schiefergestein als Energiespeicher in Form eingeschlossener Erdgasvorkommen, die durch die moderne und aktuell umstrittene Abbaumethode des „Fracking“ erschlossen werden könnten.

Im dritten Vortrag, der von Dr. Thomas Spohn vom LWL-Amt für Denkmalpflege zum Thema „Der Quellenwert von Häusern und baubezogenen Archivalien für die Geschichte des Schieferbergbaus im Sauerland“ vorbereitet und erkrankungsbedingt stellvertretend durch Dr. Fred Kaspar gehalten wurde, lag der Fokus auf der praktischen Verwendung des Baustoffs Schiefer, der zwar als weitverbreitetes Baumaterial gelte, jedoch tatsächlich hauptsächlich ortsnah zu den Abbaugebieten oder dort verwendet worden sei, wo ausreichende finanzielle Mittel vorhanden gewesen seien, und der als Baustoff beispielsweise in Konkurrenz zum Ruhrsandstein gestanden habe. Kostensteigernd hätten sich gerade vor dem Ausbau von Eisenbahnverbindungen vor allem die Transportwege aus den Abbaugebieten zu den jeweiligen Abnehmern ausgewirkt. Durch Archivstücke und Erfassung denkmalgeschützter Objekte, bei deren Bau Schiefer verwendet wurde, seien neue, für die Forschung hochinteressante Erkenntnisse über Verbreitung und Verwendung des Materials gewonnen worden.

Die Brüder Gerd und Rainer Mengelers veranschaulichten mit ihrer reich bebilderten Präsentation „Der Schieferbergbau in Nuttlar unter besonderer Berücksichtigung der Schieferbau-AG zu Nuttlar“ ortsgeschichtliche Aspekte des Schieferbergbaus und seinen Bedeutungszuwachs im Rahmen der Industrialisierung. Dabei fanden die technischen Herausforderungen des Abbaus und die Abhängigkeit von weltwirtschaftlichen Entwicklungen genauso Berücksichtigung wie die fortlaufende technische Innovationsfähigkeit des traditionellen Schieferbergbaus.

Dipl. Ing. Bergbau Michael Menn führte schließlich im fünften Vortrag „Von gestern bis heute – innovativer Schieferbergbau bei den Schiefergruben Magog in Bad Fredeburg“ durch die Geschichte des ortsansässigen Bergbaubetriebs und beleuchtete im Schwerpunkt die aktuelle Lage der Schieferproduktion und die Entwicklungen der letzten Jahre. Neben Informationen über die aktuellen Bedingungen am Weltmarkt zeigte Herr Menn auch weitere bergbautechnische und betriebswirtschaftliche Aspekte auf, die die Tagung um eine beruflich-praktische Sichtweise bereicherten.

Nach der Mittagspause bestand die Möglichkeit zur Teilnahme an zwei alternativen Exkursionen: Die erste führte zur Übertageproduktion der Schiefergruben Magog, wo die Werkhallen und die dort stattfindenden Produktionsabläufe zu besichtigen waren. Hier war es auch möglich, an verschiedenen Stationen selbst Hand anzulegen und sich der Bearbeitung des Rohstoffs Schiefer selbst haptisch zu nähern. Die zweite Exkursion bot stattdessen einen Spaziergang durch den historischen Stadtkern Schmallenbergs, in dem beispielhaft viele mit Schiefer gedeckte Dächer und verkleidete Fassaden zu entdecken sind. Beide Exkursionen ließen das in den Vorträgen vermittelte Wissen eindrucksvoll Gestalt gewinnen und stießen auf sehr positive Resonanz der Teilnehmer.