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Neues aus der HiKo (084): Drei neue Ergänzungsbände zum Handbuch der jüdischen Gemeinschaften verfügbar

25.11.2021

Die Geschichte der jüdischen Bevölkerung gehört zu den Themen, denen sich die Historische Kommission für Westfalen auch weiterhin in besonderer Weise verpflichtet fühlt. Erst kürzlich haben wir an dieser Stelle auf die jetzt verfügbare E-Book-Fassung des „Historischen Handbuchs der jüdischen Gemeinschaften in Westfalen und Lippe“ hingewiesen (https://www.historische-kommission.lwl.org/de/publikationen/neue-folge/ebooks/), die im Rahmen eines Workshops vorgestellt wurde. Heute möchten wir auf drei weitere Neuerscheinungen hinweisen, die das Handbuchprojekt ergänzen. Die drei Bände sind digital erschienen und auf unserer Homepage frei verfügbar.

Zunächst vorzustellen ist ein Band von Wilfried Reininghaus, der die Schatzungslisten des Herzogtums Westfalen (heute Hochsauerlandkreis, Kreis Olpe und Teile des Kreises Soest) ausgewertet hat. Im Rahmen seiner Forschungen zu den Schatzungslisten, also den Verzeichnissen der steuerpflichtigen Bewohner, ist er auf insgesamt 33 Listen aus den Jahren 1663 bis 1801 gestoßen, auf denen abgabepflichtige Juden verzeichnet sind. Diese Listen enthalten zahlreiche bislang unbekannte Namen und Familien, damit ergänzen sie die ortsgeschichtliche Forschung erheblich. Die Ergebnisse werden nach Orten sortiert vorgestellt.

Auch Ursula Olschewski hat Namenslisten von Juden im Archiv gefunden und in digitaler Form ausgewertet. In ihrem Fall sind es Namenslisten aus dem napoleonischen Königreich Westphalen, die im Jahr 1812 entstanden und heute im hessischen Staatsarchiv in Marburg verwahrt werden. Als Voraussetzung für die Gewährung voller Bürgerrechte mussten die Juden feste Familiennamen annehmen, die genauso weitervererbt werden sollten wie christliche Namen – in Preußen wurden etwas später ähnliche Erlasse herausgegeben. Die alten und die neuen Namen wurden in amtlichen Tabellen erfasst, um die Identität der Personen nachvollziehen zu können. Was damals eine bürokratische Hürde war, ist heute ein Glücksfall für die Forschung. Ausgewertet wurden Listen aus den damaligen Distrikten Bielefeld, Höxter und Paderborn.

Schließlich ist ein dritter digitaler Band zu nennen, den Burkhard Beyer und Anna Strunk herausgegeben haben. Er enthält Nachträge zum erwähnten vierbändigen Handbuch der jüdischen Gemeinschaften. Gesammelt und nach Ortsartikeln geordnet wurden dafür nicht nur die knappen Literaturangaben; soweit verfügbar werden auch Beschreibungen zu den Neuerscheinungen aufgenommen oder angefertigt. Neben neuer Literatur sind auch neue Internetangebote erfasst. Ebenfalls berücksichtigt sind Veranstaltungen, so dass in der Summe ein Bild der aktuellen Forschungstendenzen und der regionalen Erinnerungskultur entsteht.

 

Bibliographische Daten:

Wilfried Reininghaus, Jüdinnen und Juden in den Schatzungs- und Geleitlisten des Herzogtums Westfalen 1663–1801. Eine Dokumentation, Münster 2021 (Materialien der Historischen Kommission für Westfalen, Band 19). Verfügbar unter: http://www.lwl.org/hiko-download/HiKo-Materialien_019_(2021).pdf (560 KB).

Ursula Olschewski, Verzeichnis der von den Juden des Königreichs Westphalen angenommenen Familiennamen. Distrikte Bielefeld, Höxter und Paderborn des Departements Fulda, Münster 2021 (Materialien der Historischen Kommission für Westfalen, Band 18). Verfügbar unter: http://www.lwl.org/hiko-download/HiKo-Materialien_018_(2021).pdf (1,0 MB).

Burkhard Beyer und Anna Strunk, Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinschaften in Westfalen und Lippe. Nachträge, neue Forschungen und regionale Erinnerungskultur, Münster 2021 (Materialien der Historischen Kommission für Westfalen, Band 20). Verfügbar unter: http://www.lwl.org/hiko-download/HiKo-Materialien_020_(2021).pdf (1,6 MB).