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NF 47: Beiträge zur Geschichte der Reformation in Westfalen, Band 2

Beiträge zur Geschichte der Reformation in Westfalen. Band 2: Langzeitreformation, Konfessionskultur und Ambiguität in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Beiträge der Tagung am 27. und 28. Oktober 2017 in Lemgo, Hg. von Werner FREITAG und Wilfried REININGHAUS. Münster 2019, 391 Seiten, Festeinband, zahlreiche Abbildungen, beigefügte CD (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Westfalen, Neue Folge 47). Aschendorff, ISBN 978-3-402-15132-7, Preis 44,00 Euro

Im Rahmen ihrer Herbsttagung widmet sich die Historische Kommission für Westfalen alle zwei Jahre grundlegenden Fragen der westfälischen Geschichte. Gegenstand der Tagungen 2015 in Lippstadt und 2017 in Lemgo waren neue Forschungen zur Geschichte der Reformation in Westfalen. Im Mittelpunkt der ersten Tagung standen dabei die Voraussetzungen und Vorbedingungen der Reformation, während die Folgetagung insbesondere die Auswirkungen sowie ausgewählte Sonderfälle der Reformation behandelte. Der vorliegende Band dokumentiert die Beiträge der zweiten Tagung in Lemgo.

In einigen Städten und Territorien Westfalens erfolgte die Reformation in kleinen Schritten – den Spezifika dieser „Langzeitreformation“ gehen die Beiträge der ersten Sektion nach, dargestellt werden Dortmund, Rietberg und die adeligen Herrschaften. In der zweiten Sektion wird die lutherische und reformierte Konfessionskultur betrachtet, also der Zusammenhang von Bekenntnis, Gottesdienst und frommem Miteinander im Alltag der Gemeinden. Behandelt werden die Beispiele Lippe und Hamm, die Katechese und der westfälische Anteil an der Ausdifferenzierung des Protestantismus. Die dritte Sektion widmete sich den Gegensätzen: Was passierte in den Teilen Westfalens, in denen sich die Reformation nicht etablieren konnte? Hier geht es um die Täufer im Westmünsterland, um die Städte im Münsterland, das Kloster Herzebrock und die Koexistenz von Lutheranern und Reformierten in Lemgo. Die meist lokal ausgehandelten Kompromisse sicherten ein erträgliches Miteinander.

Beiträge des Bandes:
– Werner FREITAG und Wilfried REININGHAUS: Zur Einführung (S. 7–10)
– Christian HELBICH: Die Kirchen- und Bildungspolitik der Städte Dortmund und Essen im Kontext der via media im 16. Jahrhundert (S. 13–46)
– Alwin HANSCHMIDT: Die Grafschaft Rietberg. Reformation unter hessischem, hoyaischem und ostfriesischem Einfluss (S. 47–66)
– Bastian GILLNER: „Drum soll weltliche Gewalt ihr Amt frei unbehindert üben …“ Die Reformation in den adeligen Herrschaften Westfalens (S. 67–85)
– Nicolas RÜGGE: Die lippischen Kirchengemeinden im Spiegel der Visitationen von 1542 und 1549 (S. 89–117)
– Christian PETERS: Der Anteil Westfalens an der Ausdifferenzierung des Protestantismus (S. 119–186)
– Anna-Lena SCHUMACHER: Die Katechese – Vorgaben und Stellenwert in der Gemeinde (S. 187–212)
– Ingrid BUCHHORN: Reformierte Pfarrer und städtischer Rat. Die Anfänge des Presbyteriums in Hamm (S. 213–236)
– Volker TSCHUSCHKE: Reformation und Täufer im Westmünsterland bis um 1550 (S. 239–293)
– David M. LUEBKE: Koexistenz um des Stadtfriedens willen. Kleinstädte im Fürstbistum Münster (S. 295–313)
– Sebastian SCHRÖDER: Nonkonforme Nonnen und „böze Lutterie“. Zum Verlauf und zur Wahrnehmung des reformatorischen Geschehens in Kloster und Kirchspiel Herzebrock (1530er- und 1540er-Jahre) (S. 315–337)
– Lena KRULL: Indifferenz und Konflikt. Konfessionelle Koexistenz von Lutheranern und Reformierten in Lemgo (S. 339–357)
– „Bekenntnis, Trost und Gotteslob“: Lieder der Reformationszeit aus Westfalen [Programm des Reformationskonzertes am 27. Oktober 2017 in der Kirche St. Marien in Lemgo] (S. 363–369)

Dem Band ist eine Audio-CD mit dem Mitschnitt des Reformationskonzertes beigefügt. Ausführende: MarienKantorei Lemgo unter der Leitung von Landeskantor Volker Jänig, Prof. Tomasz Adam Nowak an der historischen Schwalbennestorgel.

Rezension:
– Andreas Rutz: Reformationen in Westfalen. Ergebnisse und Perspektiven des Jubiläums 1517–2017, in: Blätter für deutsche Landesgeschichte 156 (2020), S. 615–663, hier 621f.

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