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NF 51: Aufbruch in die Demokratie

Aufbruch in die Demokratie. Die Revolution 1918/19 im Rheinland und in Westfalen. Beiträge der Tagung am 8. und 9. November 2018 in Düsseldorf, Hg. von Frank M. BISCHOFF, Guido HITZE und Wilfried REININGHAUS. Münster 2020, 680 Seiten, Festeinband (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Westfalen, Neue Folge 51; Publikationen der Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde, Vorträge 37). Aschendorff, ISBN 978-3-402-15135-8, Preis 49,00 Euro

Wie genau verlief 1918/19 im Rheinland und in Westfalen der Übergang vom Kaiserreich zur Weimarer Republik? Die Rahmenbedingungen waren schwierig – unmittelbar nach einem verlorenen Krieg, bei Krankheit und Hunger, Streiks und Putschversuchen. Trotz aller Belastungen erbrachten die Monate von November 1918 bis März 1919 unverkennbar einen entscheidenden Aufbruch zur Demokratie. Erstmals in der deutschen Geschichte erhielten alle Frauen und Männer über 20 Jahre das freie, gleiche und geheime Wahlrecht. In den einzelnen Landesteilen gestaltete sich der Übergang zur Demokratie durchaus unterschiedlich, die Rahmenbedingungen wichen erheblich voneinander ab.

Die im vorliegenden Band dokumentierte Tagung im Düsseldorfer Landtag am 8. und 9. November 2018 beschäftigte sich eingehend mit den Ereignissen in den verschiedenen Regionen des Landes, Fallstudien führen in die lokalen und regionalen Besonderheiten der Revolutionsmonate ein. Die Beiträge untersuchen das Ruhrgebiet mit Essen und Dortmund, die rheinischen Städte Düsseldorf und Bonn, außerdem das Bergische Land und das Sauerland. Zugleich werden die Ereignisse zwischen Rhein und Weser aber auch in Beziehung zu den politischen Wendejahren in Europa und Deutschland zwischen 1917 und 1923 gesetzt. Detailliert dargestellt wird die Rolle des Militärs bei Kriegsende und in der Revolution sowie die Zeit der alliierten Besetzung des Rheinlands. Der Wahlkampf mit seinen damals noch ungewohnten Methoden wird ebenso behandelt wie die besondere Rolle der Frauen, die erstmals an die Wahlurnen gehen konnten. Schließlich wird auch der „Los von Berlin“-Bewegung sowie dem Aufstieg des Antisemitismus durch das Revolutionsgeschehen nachgegangen.

Beiträge des Bandes:
– Frank BISCHOFF, Guido HITZE und Wilfried REININGHAUS: Zur Einführung (S. 9–18)
– André KUPER: Grußwort zur Eröffnung des Symposiums „Aufbruch in die Demokratie – 100 Jahre Revolution im Rheinland und in Westfalen“ (S. 19–21)
– Stefan BERGER: Die deutsche Revolution 1918/19 in ihren europäischen Kontexten (S. 23–35)
– Thomas TIPPACH: Die bewaffnete Macht. Garant der öffentlichen Ordnung und revolutionäres Element (S. 39–61)
– Horst-Pierre BOTHIEN: Die Rheinlandbesetzung 1918/19 am Beispiel Bonns (S. 63–78)
– Philipp KOCH: „Verkehrsschwierigkeiten“ und „Kohlennot“. Fragen und Forschungsansätze zur Rolle von Eisenbahn und Eisenbahnerschaft im Übergang vom Weltkrieg zur Republik (S. 79–139)
– Wilfried REININGHAUS: Wahlen und Wahlkämpfe in Westfalen und im Rheinland 1918/19. Regionale Aspekte der ersten freien Wahlen in der deutschen Geschichte im Januar 1919 (S. 143–183)
– Martin SCHLEMMER: Berlin, nein Danke? Die westdeutschen Loslösungsbestrebungen im Rheinland und in Westfalen nach dem Ersten Weltkrieg (S. 185–237)
– Bärbel SUNDERBRINK: Der unbekannte Teil des Wahlvolks. Die Revolution 1918/19 und die Rolle der Frauen in Ostwestfalen-Lippe (S. 239–259)
– Wulf SCHADE: Das Verhältnis der „Ruhrpolen“ zur Revolution (S. 261–302)
– Ulrich WYRWA: Die Herausbildung eines extremen Antisemitismus am Beginn des „Zeitalters der Extreme“. Krieg, Revolution und Konterrevolution im Rheinland und in Westfalen (S. 303–322)
– Johannes HECK: Düsseldorf in der Revolution (S. 325–358)
– Klaus WISOTZKY: Der Essener Arbeiter- und Soldatenrat und die Sozialisierungsbewegung im Bergbau (S. 359–382)
– Michael KANTHER und Andreas PILGER: Die Revolution in Duisburg (S. 383–412)
– Stefan GOCH: Resultat enttäuschter Erwartungen an die Novemberrevolution: Linksradikale Bergarbeiter-Organisationen im Ruhrgebiet (S. 413–471)
– André BIEDERBECK: Als aus roten Milieumanagern schwarz-rot-goldene Republikgründer wurden. Dortmund als Zentrum der Mehrheitssozialdemokratie im revolutionären Westfalen (S. 473–506)
– Reiner RHEFUS: Die Revolution in Wuppertal (S. 507–539)
– Hans Peter MENSING: Adenauer stellt sich „auf den Boden der gegebenen Tatsachen“. Die Novemberrevolution in Köln (S. 541–558)
– Jens HAHNWALD: „Wir sehen gegenwärtig die Morgenröte einer besseren Zukunft aufsteigen …“ Revolution und politischer Wandel im katholischen Sauerland 1918/19 (S. 559–607)
– Wilfried REININGHAUS: Das westliche Münsterland 1918/19 (S. 609–630)
– Rolf WESTHEIDER: „Was soll dann aus uns werden?“ Die Novemberrevolution 1918 im Kreis Halle/Westf. (S. 631–654)

Rezension:
Archiv für Sozialgeschichte (online) 61, 2021 (Thilo Scholle)

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